Zapfenstreich für das ICC Berlin – Und dann?

Zapfenstreich für das ICC Berlin – Und dann?

7. April 2014
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ICC Berlin

Henrik G. Vogel / pixelio.de

Die Abschlussveranstaltung für das Publikum hieß treffend ‚Zapfenstreich‘. Nachdem das Stabsmusikkorps der Bundeswehr das Abendlied angestimmt hatte, war die endgültige Schließung des Internationalen Congress-Centrums ICC im Berliner Stadtteil Charlottenburg besiegelt. Seit der Eröffnung im Jahr 1979 waren dort bis zur Schlusszeremonie insgesamt 8.786 Veranstaltungen über die Bühne gegangen. Wie es jetzt weiter gehen soll, steht in den Sternen.

Zukunft Shoppingcenter?

Nach 35 Jahren Betrieb als Kongresszentrum soll das ICC nun modernisiert und umgenutzt werden. Die Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer von der CDU sucht dafür nach geeigneten Investoren. Bereits auf der Expo 2013 in München soll sie mit aussichtsreichen Kandidaten ins Gespräch gekommen sein, die vorgestellten Nutzungskonzepte laufen wohl alle auf ein Shoppingcenter mit Gastronomie, einem Hotel und Raum für die Berliner Messe hinaus. Am 8. April hat der Staatssekretär Henner Bunde die Vorstellung der Konzepte der engeren Wahl anberaumt. Dann wird das Bezirksamt von der Wirtschaftsverwaltung, die im Auszahlprozess die Federführung innehat, näher über die Zukunftspläne für das ICC informiert.

Naht die Rettung des ICC?

Wer am Ende das Rennen machen will, muss vor allem ein wirtschaftlich überzeugendes Konzept vorstellen. Das Verhältnis der genutzten Fläche zur  gesamten Fläche beträgt im ICC bisher nur 10 Prozent, hier werden deutliche Verbesserungen erwartet. Dazu bräuchte es freilich erhebliche Modifikationen der Innenarchitektur. Und auch außen müsste das ICC entscheidend verändert werden, um diesem Anspruch zu genügen. Dem stehen die relativ günstigen Gewerbemieten Berlins gegenüber, die eine Refinanzierung der immensen Investitionen erschweren dürften. Bezieht man die Asbestbelastung und die Beseitigung weiterer Schadstoffe mit ein, werden diese Investitionen auf etwa 500 Millionen Euro geschätzt. Vom Senat könnte der Investor jedoch eine erhebliche Summe aus der Landeskasse erwarten. Der Senat ist offenbar bereit, die Rettung des ICC mit 200 Millionen Euro zu subventionieren. Unter der Voraussetzung, dass ein schlüssiges Nutzungskonzept vorgelegt wird.

Der erste Widerstand regt sich

Investoren, die ein akzeptables Konzept vorlegen könnten, und eventuell sogar auf den Zuschuss vom Senat verzichten würden, sind offenbar gefunden. Sowohl ECE aus Hamburg, Marktführer der europäischen Centerbetreiber, als auch die Essener mfi sind interessiert am Projekt. Doch die Idee, aus dem ehemaligen Kongresszentrum ein Einkaufszentrum zu machen, stößt nicht überall auf Gegenliebe. Der Bezirk und die IHK meldeten bereits Widerstand an. Reinhard Naumann, der Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, möchte den Shopping-Anteil möglichst gering halten. Als Grund dafür nennt Naumann das ohnehin bestehende Überangebot an Centern in ganz Berlin. Mit großer Skepsis und Besorgnis äußerte der Bezirksbürgermeister die Befürchtung, dass diese Situation zu einer Verdrängungssituation führen könne. Am stärksten betroffen sieht er davon die Fußgängerzone in der Wilmersdorfer Straße. Wir haben uns nicht 15 Jahre lang für deren Revitalisierung engagiert, um uns das kaputt machen zu lassen, sagt Naumann. Weitere gefährdete Gebiete seien die Kantstraße, der Kaiserdamm und die Reichsstraße. Auch die IHK Branchenkoordinatorin Meike Al-Habash bevorzugt eine vielseitigere Nutzung des ICC. Ausgedehnte Einzelhandelsflächen wären für die umliegenden Händler ihrer Meinung nach sehr schädlich.

Umstrittenes Konzept

Bei den Einzelhändlern vor Ort gehen die Meinungen zu einem neuen Shoppingcenter im ehemaligen Kongresszentrum weit auseinander. Der Apotheker Thomas Bong ist Vorsitzender der AG Wilmersdorfer Straße und glaubt nicht, dass Charlottenburger Kunden in die öffentlichen Verkehrsmittel steigen würden, nur um im ICC zum Shoppen zu fahren. Der Juniorchef von Eisen Döring am Kaiserdamm, Frank Döring, sorgt sich hingegen um eine seiner Meinung nach bevorstehende Abwanderung von Kunden. Auch der neue Baumarkt in Halensee mache sich am Kaiserdamm bereits empfindlich bemerkbar, sagt er.

Die Zukunft bleibt ungewiss

Ob die Rettung des früheren ICC in einer Zukunft als Shoppingcenter liegt, bleibt weiter ungewiss. Nicht nur der Entscheid für eines der vorgestellten Nutzungskonzepte steht noch aus, auch der zu erwartende Widerstand könnte die Umwandlung in ein solches Center gefährden. Wenn also ein Investor gefunden ist, müssen weitere Hürden genommen werden, bevor der Startschuss zum Shoppingcenter ICC gegeben werden kann. Und wie die wirtschaftlichen Folgen für die umliegenden Einzelhändler sich entwickeln werden, kann ebenfalls niemand mit Gewissheit vorher sagen. Die Geschichte des ehemaligen Kongresszentrums bleibt also weiter spannend.

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