Bekommt die Stadt Singen das größte Einkaufszentrum der Region?

Bekommt die Stadt Singen das größte Einkaufszentrum der Region?

11. April 2014
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Wenn es nach dem Hamburger Centerbetreiber ECE geht, soll am Bahnhof des süddeutschen Singen am Hohentwiel bald ein noch größeres Einkaufszentrum entstehen, als das Lago im nahe gelegenen Konstanz Ob es tatsächlich so kommen soll, darüber sind sich die Singener selbst allerdings überhaupt noch nicht einig. Aus dem Handel hört man gegensätzliche Stimmen und auch Teile der Bevölkerung sind den positiven Auswirkungen gegenüber äußerst skeptisch, die ihnen vom Projektentwickler ECE versprochen werden. Selbst der Oberbürgermeister hat sich noch keine endgültige Meinung gebildet.

Die Pläne

Der Hamburger Centerbetreiber und Projektentwickler ECE hat in der Nähe des Singener Bahnhofs Großes vor. Eine reine Verkaufsfläche von bis zu 16.000 Quadratmetern sollen mit dem Projekt verwirklicht werden. Damit würde Singen das Konstanzer Megacenter Lago noch um ganze 1.000 Quadratmeter übertrumpfen.  Die Singener Pläne umfassen insgesamt zwei Flächen. Für den einen Teil hat sich die ECE bereits die in Frage kommenden Grundstücke als Optionen gesichert. Die zweite Fläche besteht aus einem ehemaligen Zollareal, Parklätzen und einem Park. Dieser Teil befindet sich im Besitz der Stadt. Ein kompletter Straßenzug, die Thurgauerstraße, würde vom neuen Gebäudekomplex überbaut werden und dadurch völlig von der Bildfläche verschwinden.

Die Diskussion

In Singen wird derzeit heftig über diese ehrgeizigen Pläne diskutiert. In einer ersten Veranstaltung hat die Stadtverwaltung 60 Experten aus der Kommunalpolitik, der Verwaltung, dem Handel und den betroffenen Verbänden zu einer Debatte in der Ekkehard Realschule zusammen gerufen. Viele weitere Aussprachen sollen folgen. Eine öffentliche Sitzung zum Thema wird am 7. April stattfinden. In der Diskussion waren sich die Teilnehmer uneins über das Projekt. Es gab ebenso viele Argumente für das neue Einkaufszentrum wie dagegen. Und auch neutrale Stimmen meldeten sich zu Wort.

Die Positionen

Die Händler aus der Singener Südstadt haben eine Interessengemeinschaft gebildet, um die ambitionierten Centerpläne zu unterstützen. Weil in jüngster Zeit Großes ausschließlich in der Südstadt umgesetzt worden sein, brauche auch die City mal wieder einen starken Schub, verlautet aus den Reihen der IG Singen Süd. Deren Sprecher Dirk Oehle sieht klare Vorteile in der großen Lösung. Gerade um den Bahnhof herum müsse ein hochwertiges Angebot geschaffen werden, sagt er. Neutral verhält sich hingegen die Gruppe Singen aktiv Standortmarketing. Zwar finden sich in deren Reihen sowohl Befürworter als auch Gegner des neuen Einkaufszentrums, der Vorsitzende Gerd Springe möchte nach eigenem Bekunden jedoch eher als Moderator in Erscheinung treten, als klare Stellung zu beziehen. Grundsätzlich sieht Springe zwar die Notwendigkeit von Veränderungen in Singen, eine Empfehlung für das konkrete Projekt spricht er aber nicht aus. Auch noch keine eindeutige Meinung hat der Oberbürgermeister der Stadt Singen, Bernd Häusler. Dies gab er bei der Debatte in der Ekkehard Realschule zu Protokoll. Trotzdem er sich noch nicht darüber schlüssig ist, ob ein so großes Center Fluch oder Segen für seine Stadt sei, fordert er eine schnelle Entscheidung des Gemeinderats. Noch vor der Sommerpause und noch mit der bestehenden Besetzung solle das Projekt entschieden werden. Den Zeitplan hat Häusler bereits auf den Tisch gelegt, sein rasantes Tempo geht so manchem Kommunalpolitiker aber viel zu schnell, wie sich in der Ekkehard Realschule zeigte. Viele Cityhändler stemmen sich vehement gegen das Großprojekt. Sie sind organisiert im City Ring und ihrem Handelsverband. Karl Wagner vom City Ring stellt die bange Frage, wo der ganze Umsatz herkommen soll, den man in den Citylagen brauche. Das Vorhaben sei bei weitem zu groß dimensioniert, meint er. Er gibt zu bedenken, dass der Schweizer Handel bereits jetzt reagiert und die Preise gesenkt habe. Und gerade die Schweiz werde in den vorliegenden Gutachten zum Projekt ja als Hoffnungsgebiet für weitere Umsatz-Euros ausgewiesen. Außerdem möchte der ehemalige Karstadt Chef Wagner keine Käseglocke über der Singener City haben, wie er sagt. Helmut Wessendorf vom Handeslverband spricht gar von einem Keulenschlag für den Innenstadthandel. Er weiß in dieser Auffassung nahezu alle seine Mitglieder hinter sich, wie er angibt.

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